VÖ 53: Neue Strukturen - bewährte Methoden? Was bleibt vom Archivwesen der DDR

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Irmgard Christa Becker, Volker Hirsch und
Annegret Wenz-Haubfleisch (Hrsg.)
 
Neue Strukturen – bewährte Methoden?
Was bleibt vom Archivwesen der DDR
 
Beiträge zum 15. Archivwissenschaftlichen
Kolloquium der Archivschule Marburg

Menge

Vorwort

von Irmgard Christa Becker, Volker Hirsch
und Annegret Wenz-Haubfleisch

Am 3. Oktober 1990 endete mit dem Beitritt der Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigung Berlins die Existenz der DDR. Die damit verbundene grundlegende Veränderung der Gesellschaft und des Staatsaufbaus hatte weitreichende Folgen – auch für die Strukturen und Aufgaben des Archivwesens. Zahlreiche Behörden bis hin zu Ministerien gab es bereits durch die im letzten Sommer der DDR durchgeführten Reformen quasi über Nacht nicht mehr. Für die Tragweite dieser Entwicklungen nur ein Beispiel: Mit der Angleichung an den westlichen Staatsaufbau wurden „alle Registraturbildner, die 1989 in die Zuständigkeit des Staatsarchivs Potsdam fielen und zur Abgabe von Archivgut verpflichtet waren, aufgelöst bzw. privatisiert […] – mit  einer Ausnahme: das Staatsarchiv selbst!“  Und die Angleichung an die föderalen Strukturen der BRD machte auch eine Neustrukturierung des Archivwesens nötig. So wurde Ende 1990 die Staatliche Archivverwaltung (StAV) aufgelöst, das Zentrale Staats-archiv verleibte man dem Bundesarchiv bzw. dem Geheimen Staats-archiv Preußischer Kulturbesitz ein, und die wiedererrichteten Länder erhielten die Zuständigkeit für die in ihrem Gebiet gelegenen Staatsarchive.

Im letzten Jahr nahm die Archivschule Marburg den zwanzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung zum Anlass, die Folgen dieser Entwicklungen im Rahmen des 15. Archivwissenschaftlichen Kolloquiums genauer zu betrachten. Die dort gehaltenen Vorträge werden hiermit der interessierten Öffentlichkeit in schriftlicher Form präsentiert. Dass dies genau ein Jahr nach dem Kolloquium geschieht, war nur möglich durch die engagierte Mithilfe von Frau Waltraud Noll. Wir danken Ihr herzlich für die Erstellung der Druckvorlagen.

Bei der Ausgestaltung des Themas leiteten uns zwei Interessen: Zum einen wollten wir herausarbeiten, welche Entwicklung die Archive in der DDR im Verlauf von 40 Jahren – gerade auch im Unterschied zur BRD – genommen haben und wie diese speziellen Entwicklungen die Arbeit in den Archiven bis heute beeinflussen. Zum anderen wollten wir zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung jenseits von Abrechnung oder Verklärung eine kritische Würdigung versuchen und die Leistungen der Archivwissenschaft in der DDR für die heutige Tätigkeit nutzbar machen. Uns ging es also um eine gegenwarts- und zukunftsorientierte Herangehensweise an das Thema, weniger um eine rein archivgeschichtliche.

Das Kolloquium gliederte sich in drei Sektionen. Die erste Sektion widmete sich den besonderen Strukturen des Archivwesens der DDR im Vergleich zur alten BRD. In der zweiten Sektion wurden die inhaltlichen und strukturellen Gegebenheiten der archivarischen Ausbildung herausgearbeitet. Die dritte Sektion hatte die Leistungen der Archivwissenschaft in der DDR in Bezug auf die Erfüllung der archivarischen Aufgaben zum Thema.

Bei der Gestaltung des Programms haben wir versucht, neben der Sachkenntnis Berufserfahrung in beiden Systemen an das Rednerpult zu bringen. Wir wollten weder eine Erinnerungs-veranstaltung, noch eine rein akademische Abrechnung der jungen Generation mit der alten.

Im Vergleich zur föderalen Struktur der BRD zeichnete sich das Archivwesen der DDR durch ein hohes Maß an Zentralisierung und starker politischer wie fachlicher Lenkung aus. Diese spezifischen Rahmenbedingen wirkten sich positiv und negativ aus. Negative Folgen zeigte die Zentralisierung insbesondere in der politischen Einflussnahme. Bei aller Beschäftigung mit dem DDR-Archivwesen ist von der Einwirkung von SED und Staatssicherheit auf die Gesellschaft auszugehen, „in die sich das Archivwesen, namentlich das staatliche Archivwesen, einzuordnen hatte und eingeordnet hat.“  Positive Folgen sind in der Erarbeitung und Umsetzung von fachlichen Konzepten auszumachen, die, an zentraler Stelle geplant und erarbeitet, in der Breite der Zunft standardisierend wirken konnten. Erinnert sei hier nur an die Ordnungs- und Verzeichnungs-grundsätze, das Hochschullehrbuch oder das Taschenbuch Archivwesen,  die trotz marxistisch-leninistischer Phrasen und von der Ideologie statt von der Archivwissenschaft diktierten Passagen bis heute fachlichen Wert besitzen.

VÖ 53
99 Artikel

Technische Daten

ISBN
978-3-923833-40-5
Erscheinungsjahr
2011
Sprache
Deutsch
Auflage
1.
Seiten
338
Maße und Gewicht: (BxHxT)
148 x 210 x 24 mm; 556g